About

Ich bin eine Theaterregisseurin, die in Rumänien geboren und aufgewachsen ist. Heute lebe ich in der Schweiz und arbeite im deutschsprachigen Raum und in Rumänien. Nach meinem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaft sowie des Lehramts in Rumänien und einem Master in deutscher Kultur im europäischen Kontext führte mein Weg über ein EEA-Stipendium am TAK Theater Liechtenstein an die Bühnen Bern. Dort arbeitete ich von 2023 bis 2026 als Regieassistentin im Schauspiel und war unter anderem an Arbeiten von Roger Vontobel, Mina Salehpour, Anja Behrens, Armin Petras, Milena Michalek, Stephan Kimmig und Bruno Cathomas beteiligt.

In meiner eigenen Arbeit interessiere ich mich für Geschichten, in denen das Persönliche auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen trifft. Migration, Erinnerung, Zugehörigkeit, Freiheit und die Frage, wie grosse Veränderungen im Alltag einzelner Menschen sichtbar werden, bilden wiederkehrende Ausgangspunkte. Dabei verbinde ich dokumentarisches Material, Recherche und literarische Texte mit einer unmittelbaren, spielerischen Theaterform.

Meine Inszenierungen entstehen aus einer engen Zusammenarbeit mit dem Ensemble. Ich interessiere mich für Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander bestehen können, ohne vorschnell aufgelöst zu werden. Humor und Leichtigkeit sind dabei ebenso wichtig wie die Auseinandersetzung mit komplexen und politischen Themen.

2026 realisierte ich mit „Wunderzeit“ meine erste eigene Inszenierung an den Bühnen Bern. Die Soloarbeit nach dem Roman von Cătălin Dorian Florescu beschäftigt sich mit Erinnerung, Migration, Krankheit und dem Aufwachsen im kommunistischen Rumänien. Während meiner Zeit an den Bühnen Bern entwickelte ich zudem eigene szenische Lesungen und leitete einen Jugendclub.

Wenn ich nicht im Theater bin, findet man mich in den Bergen, im Boxstudio, in der Buchhandlung „Zytglogge“, zwischen Pinseln und Farben oder beim Nachdenken über das rumänische Essen.

Wie Ich Theater Erlebe

Meine künstlerische Ästhetik ist eng mit meiner Herkunft verbunden. Ich komme aus einem Land, in dem Gefühle poetisch, präzise und tief benannt werden. Aus einem Land, in dem Menschen durch ihre Geschichten miteinander verbunden bleiben. Und aus einem Land, in dem Menschen mit Herz und Blut für ihre Freiheit gekämpft haben.

Ich möchte Theater machen, um diese Geschichten weiterzuerzählen. Ein Satz aus der Revolution von 1989 begleitet mich dabei: „Unsere Kinder sind frei.“ Für mich bedeutet das auch, sich zu erinnern. Was haben unsere Eltern und Grosseltern erlebt? Was davon tragen wir weiter? Und was müssen wir erzählen, damit sich die dunklen Seiten der Geschichte nicht wiederholen?

Recherche ist für mich ein wesentlicher Teil des Probenprozesses. Dabei interessiert mich nicht nur die Recherche am Schreibtisch, sondern auch die Recherche vor Ort. Wenn ein konkreter Ort mit einer Inszenierung verbunden ist, möchte ich zusammen mit dem Ensemble dorthin gehen, ihn erleben und mit den Menschen sprechen, die eine Beziehung zu diesem Ort haben. Was kann ein Ort erzählen, das in keinem Text steht?

Gleichzeitig ist das Ensemble ein wichtiger Teil dieser Recherche. Die erste Probenwoche verstehe ich als performative Recherche: Wie sind wir selbst von den Themen der Arbeit betroffen? Was lösen sie in uns aus? Wie betrachten, fühlen und verkörpern wir sie? Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven entsteht für mich die Grundlage der Inszenierung.

Theater endet für mich nicht an der Bühnenkante. Auch Foyer, Eingang oder Zuschauerraum können Teil einer Inszenierung werden und eine eigene theatralische Funktion bekommen. Bei Eichmann - wo die Nacht beginnt habe ich beispielsweise eine begleitende Hannah-Arendt-Ausstellung eigenständig konzipiert und umgesetzt. Mich interessiert, wie sich ein Thema über den ganzen Theaterort entfalten kann und wie das Publikum bereits vor Beginn einer Vorstellung in eine andere Welt eintreten kann.

Selected Work

Nach dem Roman von Cătălin Dorian Florescu

Bühnen Bern | Premiere: Spielzeit 2024/25 | Nominiert zum Parktheater Bensheim Festival Woche Junger Schauspielerinnen und Schauspieler 2027

Weitere Termine:
Theater Basel: Wunderzeit
Sogar Theater Zürich: Termine folgen

Wunderzeit erzählt vom Aufwachsen im diktatorischen Rumänien – von Enge und Angst, aber auch von Sehnsucht, Liebe und dem Traum von Freiheit. Mit Witz und Melancholie beschreibt Cătălin Dorian Florescu in seinem ersten Roman den Alltag zwischen Mangel und Hoffnung – immer vor dem Hintergrund der geplanten Ausreise aus der Diktatur. Jahre später lebt Alin in der Schweiz und blickt von dort auf seine Vergangenheit zurück. Das Ankommen in einem neuen Land wird zum zentralen Moment der Erinnerung: Freiheit bedeutet Sicherheit, aber auch Fremdheit, Sprachbarriere und das Leben mit einem Migrationshintergrund. Der Text erinnert daran, wie fragil Freiheit ist – und wie sehr Herkunft und Erinnerung das Leben in der Gegenwart prägen.

Die rumänische Regisseurin Ilinca Purică begab sich gemeinsam mit Linus Schütz und dem Team auf eine Recherchereise nach Rumänien, um ihre Auseinandersetzung mit dem Roman zu vertiefen.

Begegnungen mit Menschen, Orten und Geschichten vor Ort prägten die Entwicklung der Inszenierung.

Dieses Projekt ist aus einer Kooperation zwischen dem Kollektiv Wunderzeit und den Bühnen Bern entstanden.

Spiel: Linus Schütz
Texfassung&Konzept: Ilinca Purică und Linus Schütz
Regie: Ilinca Purică
Bühnenbild: Manuel Hablützel
Kostümbild: Corinne Krähenbühl
Dramaturgische Begleitung: Felicitas Zürcher
Fotos: Florian Spring

Ich entwickelte eigene Projekte und setzte dabei journalistische und dokumentarische Texte für die Bühne um. Im Rahmen von „Reportagen Live on Stage“ an den Bühnen Bern entstanden in Zusammenarbeit mit dem Magazin Reportagen szenische Lesungen. Zudem realisierte ich für das „True Story Festival“ szenische Umsetzungen von Texten, die beim Festival ausgezeichnet wurden.


Goodbye Babylon — Der Sprachforscher Dan Kaufman rettet bedrohte Wortschätze.
Krypto-Boys auf hoher See — Männer, Models und Bitcoin treffen auf hoher See.
Ich bin jetzt Lino — Ein Mädchen erzählt von ihrem Weg zum Jungen.
Im besten Alter — Eine Frau entdeckt die unerwarteten Kräfte der Wechseljahre.
Operation Teddybär — Ein Puppendoktor haucht alten Spielsachen neues Leben ein.
Wem gehören diese Berge? — Eine Reportage über Besitz, Nutzung und Zukunft der Marmor in den Apuanischen Alpen.
Mein Mann, ein Monster? — Eine Liebesgeschichte zwischen Verdacht und möglicher Unschuld.
Die Kunst zu stehlen — Ein Kunstliebhaber stiehlt Werke, in die er sich verliebt.
Fotos aus Mein Mann, ein Monster? : Michelle Dänzer

Bühnen Bern | Premiere: Spielzeit 2024/25 | Shortlist Schweizer Theatertreffen 2026

Eine besondere Erfahrung war die Regiemitarbeit bei Roger Vontobel für das Stück „Eichmann – wo die Nacht beginnt“, bei dem ich zudem eine Ausstellung über Hannah Arendt kuratierte und gestaltete.
Stefano Massinis Stück setzt sich anhand von Gerichtsprotokollen des Eichmann-Prozesses und Hannah Arendts Schriften mit der Figur Adolf Eichmann und der «Banalität des Bösen» auseinander. Die Inszenierung untersucht, wie sich das Unfassbare im scheinbar Alltäglichen und Durchschnittlichen eines Menschen manifestieren kann.

Spiel: Lucia Kotikova und Claudius Körber
Geige: Sebastian Lötscher

Regie: Roger Vontobel
Mitarbeit Regie: Ilinca Purică
Bühne: Joanne Klopp
Kostüme: Anouk Hufschmidt-Hirschbühl
Dramaturgie: Julia Fahle
Licht: Reto Dietrich

Fotos: Yoshiko Kusano

Jugendclub - Türen auf!

Bühnen Bern | Spielzeit 2024/25 | Teil des Festivals „Türen Auf!”

In der Spielzeit 2024/25 leitete Ilinca Purică gemeinsam den Jugendclub der Bühnen Bern. Zusammen mit den Jugendlichen entwickelten wir ein Theaterstück und präsentierten es beim Festival „Türen Auf“, wodurch Partizipation, kreatives Experimentieren und Theatervermittlung im Vordergrund standen.

Co-Leitung: Ilinca Purică
Bühne: Sophie Lindt
Kostüme: Annsophie Gawriloff
Licht: Berni Bieri

Fotos: Marvin Mears

Contact

puricailinca@gmail.com·